Kritiken2013-2013
Der Orpheus-Chor glänzt mit Bachs h-Moll-Messe
München - Schon einmal studierte Gerd Guglhör mit seinem Orpheus-Chor Bachs h-Moll-Messe ein, das war 1993. Zur Feier des 30-jährigen Bestehens nahmen der Chor und sein Gründer, der das Ensemble auch heute noch mit Leidenschaft und viel Sinn für ausgefallene Programme leitet, nun die Herkulesaufgabe erneut auf sich und stemmten das höchst anspruchsvolle Werk Johann Sebastian Bachs im Herkulessaal mit einer für Laiensänger erstaunlichen Präzision, Ausdrucks- und Durchhaltekraft. [...] Anders als in den Passionen sind die Arien und Duette, die hier gesungen wurden von Ulrike Hofbauer, Anna Haase, Hermann Oswald und Thomas Hamberger, bei allem Anspruch weniger essenziell, die Hauptlast tragen Chor und Orchester. Allein die Kontraste im großen Credo zwischen 'Crucifixus', 'Et Resurrexit' und den kühnen Modulationen zur Erwartung der Auferstehung der Toten könnten größer nicht sein. Noch nach fast zwei Stunden, wenn zum 'Dona nobis pacem' die Musik des 'Gratias' wiederkehrt, hörte man bei den Sängern kaum Ermüdungserscheinungen, immer klang alles flexibel, durchsichtig, rund. La Banda begleitete auf Originalinstrumenten und mit exzellenten Solisten (Violine, Horn, Trompeten, Traversflöten) den Orpheus-Chor nicht einfach, sondern führte ein vielfältig bereicherndes und mit dem Chor wunderbar harmonierendes Eigenleben.
Süddeutsche Zeitung (Klaus Kalchschmid), Januar 2013
Ein Lichtlein brennt - Adventskonzert mit Gerd Guglhör und orpheus chor
München - Gleich vier Vertonungen des berühmten "Magnificat" als Eckpunkte eines einziges Konzertes (davon 3 aus dem 20. Jahrhundert): Das beweist nicht nur die Beliebtheit dieses vorweihnachtlichen Lobgesangs Mariens (...) bei Komponisten und Interpreten. Im direkten Vergleich werden auch Unterschiede hörbar, die sonst nicht so deutlich hervortreten. Dabei war es nicht verwunderlich, dass sich das deutsche Magnificat von Heinrich Schütz als Solitär erwies. (...) Es besticht durch seine ebenso ausdrucksvolle wie natürliche, seine klare wie schnörkellose Sprachvertonung. Hinzu kam, dass der orpheus chor unter Gerd Guglhör in der Allerheiligen Hofkirche alle Vorzüge des Werks auf selbstverständliche Weise in helles Licht rückte. Genau das Gegenteil bildete die verspielte, klassizistisch harmlose Version von Vic Nees, mit der das Konzert begann. (...) Ein gewichteres Kaliber war das 1994 entstandene, faszinierend expressive "Magnificat" des 1962 geborenen Wolfram Buchenberg, bei dem sich über das sonore Fundament der psalmodierenden Männerstimmen of frei und teilweise solistisch die leuchtenden Frauenstimmen erheben. Manchmal werden hier Sätze gar von einzelnen Sängern gesprochen, dies alles freilich nicht isoliert, sondern immer großartig dicht verknüpft. Auch die späteste von sechs Magnificat-Vertonungen des Iren Charles Villiers Stanford aus dem Jahr 1918 ist voll von überraschenden und sinnvoll textausdeutenden Wendungen (...). Zwischen diesen vier Stützen (...) sang der orpheus chor mit seiner einem runden Klang so förderlichen Mischung aus jungen und reiferen Stimmen, die Guglhör immer wieder präzise einstudiert, mit feinen Zwischentönen unter anderem Giuseppe Verdis "Ave Maria", Francis Poulencs "Salve Regina" und Trond Kvernos "Ave maris stella".
Süddeutsche Zeitung (Klaus Kalchschmid), November 2013
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