Kritiken2015-2015
Menschenzeit - Passionskonzert des orpheus chor münchen in der Münchner Markuskirche
[...] ein Konzert mit einem höchst anspruchsvollen und umfangreichen Kontrastprogramm - im Untertitel „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“ -, das mit der gleichnamigen Motette für 8 Stimmen in zwei Chören von Max Reger eingeleitet wurde. Gerd Guglhör führt seinen professionell geschulten Chor straff, dynamisch und einfühlsam durch das gesamte Programm, dem der Choral „Fürchte Dich nicht“ des 1942 geborenen schwedischen Komponisten Sven-David Sandström folgte, angeregt durch Bachs gleichnamige Motette [...]

[...] Ein weiterer Höhepunkt war Rudolf Mauersbergers eindringlich vorgetragene Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die nach den verheerenden Bombenangriffen auf Dresden im August 1945 in der Ruine der Kreuzkirche uraufgeführt wurde [...]

[...] Große Aufmerksamkeit erregte das „Lamento“ des 1984 geborenen Guglhör-Sohns Jakob, das 2008 vom Bayerischen Landesjugendchor uraufgeführt wurde und starken Beifall erhielt [...]

[...] Von dem Finnen Jaakko Mäntyjärvi (Jahrgang1963) kam sein „Canticum Calamitatis Maritimä“ für Solo und Chor zur eindrucksvollen und berührenden Aufführung, das den Toten im Schiffswrack der 1994 gesunkenen estnischen Fähre „Estonia“ gewidmet ist: den Solopart übernahm dabei für den erkrankten Baritonsolisten kurzerhand der souveräne Dirigent Gerd Guglhör selbst [...]

[...] Krönender Abschluss des Konzerts war die 1926 komponierte Motette „Der Mensch“ für Alt-Solo und Chor von Heinrich Kaminski. Es gab am Ende lang anhaltenden Beifall der tief beeindruckten Zuhörer in der voll besetzten Kirche.
Bayerische Sängerzeitung (Günter Löffler), Mai 2015
Zelenka und Bach im Antiquarium der Residenz - Eröffnungskonzert der Residenzwoche am 10.10.15
Auch wenn das reiche geistliche Werk des Bach-Zeitgenossen Jan Dismas Zelenka immer öfter auf CD erscheint, so ist eine seiner 21 Messen live immer noch selten zu hören. Umso verdienstvoller war es, dass Gerd Guglhör mit dem Orpheus Chor München, dem Originalklang-Ensemble La Banda und vier jungen Solisten die 70-minütige „Missa votiva“ des gebürtigen Tschechen neben kleinen Vokalwerken von Johann Sebastian Bach ins Zentrum des Eröffnungskonzerts der Residenzwoche im Antiquarium rückte…
…eine spannende Begegnung mit einer vielfältigen, oft dramatisch dichten Messvertonung…
…Man kennt den Orpheus Chor als ein exzellentes Vokalensemble und wieder konnte man die Intonationssicherheit bewundern…
Süddeutsche Zeitung (Klaus Kalchschmid), Oktober 2015
Bach hinweggefegt
…das Vorwärtsdrängende, ja Feurige und Farbenfrohe dieser Musik, die Zelenkas Studien in Italien erkennen lässt und zugleich einen harmonisch oft überraschenden Personalstil offenbart, lag Gerd Guglhör am Herzen.
…Dabei erwiesen sich die Sänger schon im eröffnenden Kyrie als höchst bewegliches Kollektiv. Festgepränge versprühte das vielgestaltige, furiose Gloria. Obwohl La Banda zuweilen robust zupackte, überzeugte die Lebendigkeit des Miteinanders auch im wie ein Manifest tönenden Credo…
…Jubel…
Münchner Merkur (Gabriele Luster), Oktober 2015
Zelenka und Bach in der Klosterkirche Raitenhaslach am 11.10.15
… der Münchner Klangkörper bot unter seinem langjährigen Leiter Gerd Guglhör eine bemerkenswerte Aufführung der Missa votiva e-Moll…
… Der Orpheus Chor profitiert hörbar von einem einheitlichen Stimmbildungskonzept. Souveräne Sprachbehandlung und einheitliche vokale Färbung ermöglichen ein differenziertes Gestalten der vom Affekt her schnell wechselnden Klangsprache. Das undurchdringlich scheinende polyphone Geflecht und die kühnen harmonischen Wendungen in Zelenkas Messe werden mühelos gemeistert…
… Die ausladende, jeglichen liturgischen Rahmen sprengende Messkomposition Zelenkas wird von Gerd Guglhör mit feinem Gespür für das Darstellen der vielschichtigen Details einerseits und für den großen Spannungsbogen andererseits dirigiert. Auch bei den zwei umrahmenden Werken Bachs – die frühe, holzschnittartige Kantate BWV 150 und die doppelchörige Motette „Ich lasse dich nicht“ – setzen die Musiker die kleinsten Impulse des Dirigenten spannungsreich um…
…Große Beglückung und stehende Ovationen.
Burghauser Anzeiger (Gunther Hinterdobler), Oktober 2015
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