Kritiken
Uraufführung »Der Seele Ruh‘«
NÜRNBERG - Mit dem »Joram« von Paul Ben-Haim ging die 59. Internationale Orgelwoche Nürnberg zuende. Ziemlich enttäuschend fiel dabei die Uraufführung von »Der Seele Ruh‘« anlässlich des 750. Geburtstags des christlichen Mystikers Meister Eckhart aus.
Wieder so ein Fall, wo der interpretatorische Aufwand umgekehrt proportional zum künstlerischen Ertrag verlief. Die Orgelwoche hatte mit Hilfe des BR Deutschlands führenden Countertenor Andreas Scholl, den formstarken Orpheus Chor aus München (Leitung: Gerd Guglhör), das hauseigene Rundfunkorchester unter der arrivierten estnischen Dirigentin Anu Tali, eine japanische Taiko-Trommel und sogar Lichtdesign in St. Sebald auffahren lassen.
Süffiger und weichgespülter Wabersound
Der Komponist und Keyboarder Roland Kunz, der sich als Countertenor Orlando nennt, erhielt den Auftrag, mit einem abendfüllenden Werk in die spirituelle Welt Meister Eckharts einzuführen. Er mischte mittelhochdeutsche, lateinische und deutsche Zitatfragmente (und vergass nicht bei jedem von ihm gelesen Halbvers auf die eigene »Bearbeitung« zu verweisen). Mit seinem tonal eingängigen, ja geradezu süffigen und weichgespülten Wabersound, den Frank Zabel in eine spielbare Form gebracht hatte, arbeitete er sich an den ausgewählten Sentenzen ab. Die Seele als eigentlicher Sitz der Göttlichkeit war das Thema und das wird etwa in der Nummer »Zerginge das Feuer« sogar mit einem heftigen Querverweis auf die »Dies irae«-Sequenz beschworen.
Überirdische Legatobögen
Es wird deklamiert, akklamiert, herzerweichend gesäuselt und die beiden Gesangssolisten schmeicheln mit überirdischen Legatobögen. Allein: Das ganze, in die eigene begrenzte Erfindungsgabe verliebte Opus lässt eben jene Seele vermissen, die es vorgibt zu besingen. Das können selbst eine tolle Taiko-Nummer, das belanglose Lichtbad und die hervorragenden Ausführenden nicht kaschieren. Am Ende Beifall für kunsthandwerklichen Edelkitsch, der einer Orgelwoche ziemlich unwürdig war.
Nürnberger Nachrichten (Jens Voskamp, Uwe Mitsching), Juni 2010
Weiblich zart und zackig
58. Europäische Wochen Passau: [...] Enthusiastischer Jubel für modernes Oratorium

[...]
Von einer Uraufführung kann man bei der Aufführung von „Der Seele Ruh“ am Samstag in der Passauer Studienkirche nicht mehr sprechen - die fand bereits am Freitag in Nürnberg statt. Dennoch haben die Festspiele mit dem Oratorium von Roland Kunz eine Art Premiere erlebt: Allein durch das gewaltige Ausmaß der Besetzung und den esoterischen Inhalt fällt die Vertonung der Worte Meister Eckharts aus dem Rahmen - und dass eine zeitgenössische Komposition gerade vom alteingesessenen Publikum so enthusiastisch gefeiert wird, lässt sie noch außergewöhnlicher erscheinen.
Man kann sich diese Musik ein bisschen so vorstellen wie die letzten zehn Minuten im Kino: Streicher und Harfe weben einen dichten, fließenden Klangteppich, die Flöten lassen eine ergreifende Melodie anklingen - und dann explodiert alles im Fortissimo, der Chor schwelgt „Aaaah“, während der Held auf der Leinwand den letzten Kampf gewinnt, die schönste Frau in die Arme schließt und der Zuschauer Gänsehaut bekommt. „Der Seele Ruh“ funktioniert ganz ohne äußere Bilder, die Gänsehaut ist dieselbe - und das über 100 Minuten.
Auch wenn die Massivität der Orchestrierung in apartem Kontrast zum Titel steht: So ungeheurer Wohlklang kann mit der Zeit ungeheuer fad werden - erst recht wenn die Melange so poplastig ist wie hier. Anu Tali sorgt mit einem wahren Kraftakt von Dirigat dafür, dass es spannend bleibt. Zum einen durch totale Disziplin: Die zierliche Estin zeigt penibel an und hat die ungeteilte Aufmerksamkeit aller Mitwirkenden aus Rundfunkorchester, Band „Orlando und die Unerlösten“ (des Komponisten Roland Kunz) und orpheus chor. Zum anderen schafft sie mit Eigensinn und Gespür Momente wie im zentralen Chor „Zerginge das Feuer“: Das markerschütternde Tutti verebbt urplötzlich zu einem sanften Klingen, Andreas Scholls wie entrückt scheinender Countertenor hebt an, von Gott zu singen - ein Augenblick zum Mit-Nach-Hause-Nehmen, der die eigentliche Botschaft gegenwärtig macht: Die essenzielle Bedeutung innerer Ruhe. Katrina Jordan
Passauer Neue Presse, Juni 2010
Stimmen von außen
Das Barockorchester La Banda, der Orpheus Chor München und sieben Vokalsolisten unter Leitung von Gerd Guglhör waren die Interpreten von Claudio Monteverdis "Marienvesper", die im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses aufgeführt wurde, ein Raum, der nur wenige Jahre nach der 1610 erfolgten Komposition entstanden war.
Auf historischen Instrumenten konzertierte das La-Banda-Ensemble rein und strahlend mit den allesamt kraftvoll-sicheren Solisten. Auch der Chor präsentierte eine hervorragende Leistung, wirkte jedoch mit 60 Sängern an einigen Stellen schlicht zu mächtig. Dennoch waren die verschiedenen Kompositionsstile um 1600, die Monteverdi in diesem geistlichen Oeuvre kunstvoll miteinander verschmolz, schön herauszuhören. Exzellent umgesetzt auch die auskomponierten Echoeffekte. Durch das offenstehende Saalportal hallten partikulär Tenor und später eine Violine solistisch aus dem Treppenhaus wider.
Nach der - leider eingelegten - Pause war es kein leichtes Unterfangen, die zuvor stetig aufgebaute Spannung zu halten und zum Schluss hin zu steigern. Der letzte der fünf Vesperpsalmen sowie zwei marianische Gesänge und das abschließende "Magnificat" fielen gegenüber dem ersten Teil, dem noch ein imposantes siebenstimmiges "Gloria" Monteverdis vorausgegangen war, etwas ab. Die prunkvolle Schlussdoxologie hinterließ dann aber wieder einen deutlichen Akzent und gab dem Publikum Grund zu stürmischem Beifall.
Augsburger Allgemeine (Frank Weckenmann), Oktober 2010
Eine Entdeckung
Stadlmayrs 'Jubilate-Deo'-Messe in der Markuskirche

München - Was für ein farbig brausendes, in höchsten - und auch tiefsten - Tönen jubilierendes und durch das Kirchenschiff flutendes 'Exultate Deo'! Was für ein Freudengesang im Wechsel von Chor und Soli, Vokal- und Instrumentalmusik, der da die nüchterne, helle Markuskirche in einen prächtigen, goldschimmernden Markusdom verwandelte! Gerd Guglhör und sein Orpheus Chor stellten mit einer Messe und vier großen achtstimmigen Motetten mit Instrumentalbegleitung den hierzulande kaum bekannten Johann Stadlmayr vor. Dabei wurde er um 1575 mutmaßlich in Freising geboren und ist 1603 als 'Musicus' in der Hofkapelle des Salzburger Erzbischofs nachweisbar. 1609 folgte er jedoch nicht dem Ruf nach München, sondern ging nach Innsbruck und wirkte dort bis zu seinem Tod 1648.

Es war wieder eine absolute Entdeckung, die Gerd Guglhör da mit seinem exzellenten Chor, den Solisten Roswitha Schmelzl, Andrea Brown (Soprane), Gert Hohmann (Altus), Robert Sellier, Manuel Warwitz (Tenor) und dem Bassisten Benedikt Göbel sowie Les Cornets Noirs zelebrierte. Das ist ein elfköpfiges Originalklangensemble, wie es schöner nicht auf Zinken, wunderbar weichen Barockposaunen, Geigen, Theorbe, Cello oder Orgel spielen könnte. Zwischen den einzelnen Teilen der 'Jubilate-Deo'-Messe erklangen Werke von Giovanni Gabrieli, der von 1575 an vier Jahre lang Mitglied der Münchner Hofkapelle war, aber auch Instrumentalmusik eines Giovanni Priuli oder Francesco Usper.

Im kommenden Jahr erscheint eine CD mit diesem Konzertprogramm.
Süddeutsche Zeitung (Klaus Kalchschmid), November 2011
Passionskonzert „Fürchte Dich nicht“ des orpheus chors in der Münchner Markuskirche
Dreieinhalb Minuten dauert das „Cruzifixus“ von Antonio Lotti (1667-1740), aber in ihnen steckt eine ganze Passion mit ihrer Trauer, ihrem Trost, ihrer schmerzvollen Schönheit. Dieses intensiv und berührend gesungene Stück war in der Mitte eines Passionskonzerts des orpheus chors in der Markuskirche platziert, das mit Johann Sebastian Bachs doppelchörigem „Fürchte dich nicht“ begann und mit der Vertonung des Textes von Sven–David Sandström aus dem Jahr 2007 endete. Geräuschhaft gewispertem „Fürchte dich nicht“ standen da romantische, fast an „Parsifal“ gemahnende Passagen gegenüber.

Unmittelbar davor sang der großartige orpheus chor unter Gerd Guglhör drei Anthems von Henry Purcell, auch dies eine dichte, farbige und gestenreiche Musik, die unverkennbar nach Purcell klang, aber zugleich wunderbar zeitlos. Wie sich in „Hear my prayer, o Lord“ auf „Crying“ die Stimmen immer mehr verdichteten und steigerten, kam der Wirkung eines sich zusammenballenden Clusters in zeitgenössischer Musik nahe. Und wenn im Flehen um Vergebung der Sünden sich der Chor immer weiter hochschraubte, dann ließ das manche Lösung eines modernen Komponisten im Ringen um Ausdruck alt aussehen.

Javier Bustos „Stábat Máter“ etwa kümmerte sich wenig um die Facetten des Textes, sondern begnügte sich mit musikalischer Stützung; berührend war dennoch, wie das „Paradisi Gloria“ am Ende als harmonisch unaufgelöste Frage im Raum stehen blieb.

Mit dem „Fürchte dich nicht“ von Johann Christoph Bach (1642-1703) nach einem Text von Johann Rist war ein originelles Werk zu hören, dessen fast lautmalerische Anrufung Gottes durch ein unendlich vervielfältigtes „Du“ faszinierte und auch sonst ganz vom Sprachrhythmus her komponiert war. Nicht minder erstaunt ob der Modernität der Wortvertonung und ihrer farbigen Expressivität war man bei den Stücken des bereits 1586 geborenen Johann Hermann Schein.
Klaus Kalchschmid, März 2012
Zeitreise mit Bassgitarrenklingklangklong
[...] [D]enn Countertenor Andres Scholl, der "orpheus chor münchen" und das Münchner Rundfunkorchester unter dem tänzerischen Dirigat der temperamentvollen Estin Anu Tali hatten ihre Sache gut gemacht. [...]
Sächsische Zeitung (Jens-Uwe Sommerschuh), September 2012
Ein himmlisches Wabern
[...] Münchner Rundfunkorchester und Orpheus Chor München gestalteten furios, wo es ans Herz, und differenziert, wo es ans Gemüt gehen sollte. [...]
Dresdner Neueste Nachrichten (Michael Ernst), September 2012
Der Orpheus-Chor glänzt mit Bachs h-Moll-Messe
München - Schon einmal studierte Gerd Guglhör mit seinem Orpheus-Chor Bachs h-Moll-Messe ein, das war 1993. Zur Feier des 30-jährigen Bestehens nahmen der Chor und sein Gründer, der das Ensemble auch heute noch mit Leidenschaft und viel Sinn für ausgefallene Programme leitet, nun die Herkulesaufgabe erneut auf sich und stemmten das höchst anspruchsvolle Werk Johann Sebastian Bachs im Herkulessaal mit einer für Laiensänger erstaunlichen Präzision, Ausdrucks- und Durchhaltekraft. [...] Anders als in den Passionen sind die Arien und Duette, die hier gesungen wurden von Ulrike Hofbauer, Anna Haase, Hermann Oswald und Thomas Hamberger, bei allem Anspruch weniger essenziell, die Hauptlast tragen Chor und Orchester. Allein die Kontraste im großen Credo zwischen 'Crucifixus', 'Et Resurrexit' und den kühnen Modulationen zur Erwartung der Auferstehung der Toten könnten größer nicht sein. Noch nach fast zwei Stunden, wenn zum 'Dona nobis pacem' die Musik des 'Gratias' wiederkehrt, hörte man bei den Sängern kaum Ermüdungserscheinungen, immer klang alles flexibel, durchsichtig, rund. La Banda begleitete auf Originalinstrumenten und mit exzellenten Solisten (Violine, Horn, Trompeten, Traversflöten) den Orpheus-Chor nicht einfach, sondern führte ein vielfältig bereicherndes und mit dem Chor wunderbar harmonierendes Eigenleben.
Süddeutsche Zeitung (Klaus Kalchschmid), Januar 2013
Ein Lichtlein brennt - Adventskonzert mit Gerd Guglhör und orpheus chor
München - Gleich vier Vertonungen des berühmten "Magnificat" als Eckpunkte eines einziges Konzertes (davon 3 aus dem 20. Jahrhundert): Das beweist nicht nur die Beliebtheit dieses vorweihnachtlichen Lobgesangs Mariens (...) bei Komponisten und Interpreten. Im direkten Vergleich werden auch Unterschiede hörbar, die sonst nicht so deutlich hervortreten. Dabei war es nicht verwunderlich, dass sich das deutsche Magnificat von Heinrich Schütz als Solitär erwies. (...) Es besticht durch seine ebenso ausdrucksvolle wie natürliche, seine klare wie schnörkellose Sprachvertonung. Hinzu kam, dass der orpheus chor unter Gerd Guglhör in der Allerheiligen Hofkirche alle Vorzüge des Werks auf selbstverständliche Weise in helles Licht rückte. Genau das Gegenteil bildete die verspielte, klassizistisch harmlose Version von Vic Nees, mit der das Konzert begann. (...) Ein gewichteres Kaliber war das 1994 entstandene, faszinierend expressive "Magnificat" des 1962 geborenen Wolfram Buchenberg, bei dem sich über das sonore Fundament der psalmodierenden Männerstimmen of frei und teilweise solistisch die leuchtenden Frauenstimmen erheben. Manchmal werden hier Sätze gar von einzelnen Sängern gesprochen, dies alles freilich nicht isoliert, sondern immer großartig dicht verknüpft. Auch die späteste von sechs Magnificat-Vertonungen des Iren Charles Villiers Stanford aus dem Jahr 1918 ist voll von überraschenden und sinnvoll textausdeutenden Wendungen (...). Zwischen diesen vier Stützen (...) sang der orpheus chor mit seiner einem runden Klang so förderlichen Mischung aus jungen und reiferen Stimmen, die Guglhör immer wieder präzise einstudiert, mit feinen Zwischentönen unter anderem Giuseppe Verdis "Ave Maria", Francis Poulencs "Salve Regina" und Trond Kvernos "Ave maris stella".
Süddeutsche Zeitung (Klaus Kalchschmid), November 2013
Requiem gehört auch zum Sommer
[...] Die vielen Zuhörer des ausverkauften Konzertes erlebten 90 Minuten Gänsehautfeeling - ausnahmsweise nicht aufgrund der frostigen Temperaturen. [...] Verdis "Messa da Requiem" erfordert nicht nur hohes künstlerisches Können von Sängern und Musikern, sondern auch personell einen großen Aufwand. Der Bachchor Fürstenfeldbruck wurde deshalb durch Mitglieder des Münchner orpheus chors, den Gerd Guglhör seit 1982 leitet, verstärkt. Rund 140 Sängerinnen und Sänger und ebensoviele Orchestermusiker zauberten eine überwältigende Klangfülle in die Marienkirche, die aber nie überladen klang. Dem Dirigenten gelang es besonders beeindruckend, die zarten, oft ätherischen nuancenreich mit einfühlsamer Dynamik zu gestalten.

Nach dem andächtigen gebetsartigen Eröffnungssatz "Requiam aeternam dona eis" - ewige Ruhe gib ihnen, Herr - bricht das "Diae irae, dies illa" - Tag der Rache, Tag der Sünden - wie eine Urgewalt über die Zuhörer herein. [...] Die Wechsel und das kunstvolle Ineinander von Soli und Chor gestalten diesen Part besonders fesselnd. Nicht zuletzt sind es die vier Stimmen der Solisten, die das "Dies irae" ebenso wie die anderen Teile so schön und herzergreifend gestalten: Susanne Bernhard aus München mit ihrem reinen Sopran, der sich mühelos und engelsgleichin höchste Höhen schwingt, Rebecca Martin mit einem warmen vollen Mezzosopran, der Tenor Ferdinand von Bothmer und der Bassist Kai Stiefermann, der mit seinen geheimnisvoll mahnenden Soli beeindruckte.

Die anspruchsvollen Solopartien beim "Offertorium" und beim "Lux aeterna" erklangen überaus emotional und zum Weinen schön. Nach dem letzten geheimnisvoll verklingenden "Libera me" verharrte das Publikum noch sekundenlang in andachtsvoller Stille, bis der begeisterte Applaus ausbrach. Minutenlanges Klatschen und so manches tränenfeuchte Auge belohnten diese meisterhafte Leistung aller Beteiligten.
Münchner Merkur (Dagmar Heininger), Juli 2014
Menschenzeit - Passionskonzert des orpheus chor münchen in der Münchner Markuskirche
[...] ein Konzert mit einem höchst anspruchsvollen und umfangreichen Kontrastprogramm - im Untertitel „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“ -, das mit der gleichnamigen Motette für 8 Stimmen in zwei Chören von Max Reger eingeleitet wurde. Gerd Guglhör führt seinen professionell geschulten Chor straff, dynamisch und einfühlsam durch das gesamte Programm, dem der Choral „Fürchte Dich nicht“ des 1942 geborenen schwedischen Komponisten Sven-David Sandström folgte, angeregt durch Bachs gleichnamige Motette [...]

[...] Ein weiterer Höhepunkt war Rudolf Mauersbergers eindringlich vorgetragene Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, die nach den verheerenden Bombenangriffen auf Dresden im August 1945 in der Ruine der Kreuzkirche uraufgeführt wurde [...]

[...] Große Aufmerksamkeit erregte das „Lamento“ des 1984 geborenen Guglhör-Sohns Jakob, das 2008 vom Bayerischen Landesjugendchor uraufgeführt wurde und starken Beifall erhielt [...]

[...] Von dem Finnen Jaakko Mäntyjärvi (Jahrgang1963) kam sein „Canticum Calamitatis Maritimä“ für Solo und Chor zur eindrucksvollen und berührenden Aufführung, das den Toten im Schiffswrack der 1994 gesunkenen estnischen Fähre „Estonia“ gewidmet ist: den Solopart übernahm dabei für den erkrankten Baritonsolisten kurzerhand der souveräne Dirigent Gerd Guglhör selbst [...]

[...] Krönender Abschluss des Konzerts war die 1926 komponierte Motette „Der Mensch“ für Alt-Solo und Chor von Heinrich Kaminski. Es gab am Ende lang anhaltenden Beifall der tief beeindruckten Zuhörer in der voll besetzten Kirche.
Bayerische Sängerzeitung (Günter Löffler), Mai 2015
Zelenka und Bach im Antiquarium der Residenz - Eröffnungskonzert der Residenzwoche am 10.10.15
Auch wenn das reiche geistliche Werk des Bach-Zeitgenossen Jan Dismas Zelenka immer öfter auf CD erscheint, so ist eine seiner 21 Messen live immer noch selten zu hören. Umso verdienstvoller war es, dass Gerd Guglhör mit dem Orpheus Chor München, dem Originalklang-Ensemble La Banda und vier jungen Solisten die 70-minütige „Missa votiva“ des gebürtigen Tschechen neben kleinen Vokalwerken von Johann Sebastian Bach ins Zentrum des Eröffnungskonzerts der Residenzwoche im Antiquarium rückte…
…eine spannende Begegnung mit einer vielfältigen, oft dramatisch dichten Messvertonung…
…Man kennt den Orpheus Chor als ein exzellentes Vokalensemble und wieder konnte man die Intonationssicherheit bewundern…
Süddeutsche Zeitung (Klaus Kalchschmid), Oktober 2015
Bach hinweggefegt
…das Vorwärtsdrängende, ja Feurige und Farbenfrohe dieser Musik, die Zelenkas Studien in Italien erkennen lässt und zugleich einen harmonisch oft überraschenden Personalstil offenbart, lag Gerd Guglhör am Herzen.
…Dabei erwiesen sich die Sänger schon im eröffnenden Kyrie als höchst bewegliches Kollektiv. Festgepränge versprühte das vielgestaltige, furiose Gloria. Obwohl La Banda zuweilen robust zupackte, überzeugte die Lebendigkeit des Miteinanders auch im wie ein Manifest tönenden Credo…
…Jubel…
Münchner Merkur (Gabriele Luster), Oktober 2015
Zelenka und Bach in der Klosterkirche Raitenhaslach am 11.10.15
… der Münchner Klangkörper bot unter seinem langjährigen Leiter Gerd Guglhör eine bemerkenswerte Aufführung der Missa votiva e-Moll…
… Der Orpheus Chor profitiert hörbar von einem einheitlichen Stimmbildungskonzept. Souveräne Sprachbehandlung und einheitliche vokale Färbung ermöglichen ein differenziertes Gestalten der vom Affekt her schnell wechselnden Klangsprache. Das undurchdringlich scheinende polyphone Geflecht und die kühnen harmonischen Wendungen in Zelenkas Messe werden mühelos gemeistert…
… Die ausladende, jeglichen liturgischen Rahmen sprengende Messkomposition Zelenkas wird von Gerd Guglhör mit feinem Gespür für das Darstellen der vielschichtigen Details einerseits und für den großen Spannungsbogen andererseits dirigiert. Auch bei den zwei umrahmenden Werken Bachs – die frühe, holzschnittartige Kantate BWV 150 und die doppelchörige Motette „Ich lasse dich nicht“ – setzen die Musiker die kleinsten Impulse des Dirigenten spannungsreich um…
…Große Beglückung und stehende Ovationen.
Burghauser Anzeiger (Gunther Hinterdobler), Oktober 2015
Atemlose Stille
„Himmelsklänge“: Der Titel für das Weihnachtskonzert, mit dem der Kulturkreis Röhrmoos sein Jahresprogramm 2016 am vergangenen Samstag beschloss, hätte besser nicht gewählt sein können. Es waren in der Tat „himmlische Klänge“, mit denen der Orpheus Chor München und die Harfenistin Silke Aichhorn die Kirche Sankt Josef in Schönbrunn am Vorabend des vierten Advents erfüllten... Nach Schönbrunn waren der Orpheus Chor und Silke Aichhorn mit einem sehr anspruchsvollen Programm gekommen. Den Auftakt bildete die für gemischten Chor arrangierte Komposition „A ceremony of carols“ von Benjamin Britten, bei der Silke Aichhorn die instrumentale Begleitung übernahm... Wie souverän der Orpheus Chor mit gesanglich sehr anspruchsvollen Kompositionenumgehenkann, bewiesen die Sängerinnen und Sänger überzeugend bei der Präsentation zweier Werke von Sven David Sandström,einem der bedeutendsten zeitgenössischen Chor-Komponisten. Seine Psalm-Vertonungen erforderten bis zu achtstimmiges Singen, bei dem sogar die Bässe noch dreigeteilt würden, sagt Gerd Guglhör. Dennochgehörten die Kompositionen von Sandström zum festen Repertoire des Chors. Ihn selbst hätten sie seit Beginn seiner musikalischen Laufbahn be- gleitet... Jubelnde Weihnachtsfreude vermittelte schließlich das große „Gloria in excelsis“ des estnischen Komponisten Urmas Sisask, das der Chor nicht nur mit großartiger Präzision, sondern auch ansteckender musikalischer Leidenschaft vortrug. Wie sehr die „Himmelsklänge“ die vielen Menschen in Sankt Josef bewegten, wurde spürbar in der atemlosen Stille während der Darbietungen und in ihrer Reaktion, als die letzten Töne verklungen waren: Das Publikum erhob sich von den Sitzen und spendete den Interpreten des „himmlischen“ Konzerts langen Beifall.
Renate Zauscher, Dezember 2016
Kultiviert und kontrolliert
Claudio Monteverdi im Jahr seines vierhundertfünfzigsten Geburtstags – er wurde 1567 in Cremona geboren – zu feiern, das ist gar nicht so einfach... Den Spezialisten der Alte-Musik-Szene ist es zu verdanken, dass Monteverdis Musik wieder bekannt und insgesamt recht präsent ist. Und den Chören, die sich zumindest mit einem seiner Hauptwerke befassen: der Marienvesper. Mit dieser 1610 für den Hof in Mantua entstandenen Messvertonung, die wegen ihrer Ausdehnung und ihrer dramaturgischen Anlage einzigartig dasteht, eröffnete in München der Orpheus-Chor zusammen mit dem in Basel ansässigen Instrumentalensemble „Les Cornets Noirs“ und Gesangssolisten unter der Leitung von Gerd Guglhör das Monteverdi-Jahr 2017... Mit dem Konzert im Herkulessaal zeigte sich erneut, dass es in München dank des Engagements der Chöre um die Kultur der Alten Musik gar nicht so schlecht bestellt ist... „Les Cornets Noirs“, welche der Orpheus-Chor für die „Marienvesper“ engagiert hat, gehören zu den Spitzengruppierungen für die bläserbetonte Musik des 17. Jahrhunderts... Spieltechnisch brillant und akustisch stets präsent... Gegenüber dem mit 57 Sängerinnen und Sängern groß aufgetretenen Chor wirkten die Instrumente nie, als seien es zu wenige. Das lag auch an der sorgfältigen Einstudierung des Chors durch Gerd Guglhör. Für die Sängerinnen und Sänger ging es nicht um Volumen, sondern um eine genaue Artikulation, Verständlichkeit und Transparenz. Trotz der Größe des Chores wirkte sein Klang zurückhaltend und fügte sich so sehr gut mit dem, was es von den Instrumenten zu hören gab... Den ausgezeichneten Instrumentalisten ebenbürtig war das Solistenensemble mit Ulrike Hofbauer, Gerlinde Sämann (Sopran) und Katharina Guglhör (Alt), mit Hermann Oswald und Andreas Post (Tenor) und Matthias Winckhler und Matthias Friedrich (Bass)... Als Abrundung des Abends gab es eine späte Gloria-Vertonung Monteverdis, aus dem Jahr 1641, groß angelegt und auffallend virtuos für alle Mitwirkenden, sowie zwei Kompositionen von Giovanni Antonio Rigatti... Auch hierfür hatte Gerd Guglhör einen stilsicheren Zugriff, konnte sich auf die klangliche und musikalische Kultur seines Chores ebenso verlassen wie auf die Virtuosität der Solisten.
Laszlo Molnar, Januar 2017
Wohl geformt
Claudio Monteverdis prachtvolle "Marienvesper" hat auch 400 Jahre nach ihrer Entstehung nichts an Faszination eingebüßt, so vielfältig und reich ist sie im Wechsel von Solo-, Ensemble- und Chorsätzen bis hin zum Magnificat... Unter der Leitung von Gerd Guglhör kamen im Herkulessaal zum Orpheus Chor noch sieben Gesangssolisten und das großartige elfköpfige Instrumental-Ensemble "Les Cornets Noire" mit vier Streichern, Zinken, Posaunen, Theorbe und Truhenorgel hinzu. Da gab es also einen Chor, der artikulierte und phrasierte, als würde er ein solches Repertoire täglich musizieren, so natürlich und doch wohlgeformt, so locker und doch streng gefügt wurde jede Phrase gesungen... Gegen Ende des ebenso langen wie kurz-weiligen Abends gab es ein "Gloria" Monteverdis von 1640, dessen Beschwörung von "Frieden den Menschen auf Erden" außergewöhnlich tief gesetzt war und so besonders dringlich wirkte, sowie die rare Begegnung mit zwei gleichzeitig entstandenen Werken von Monteverdis Schüler Giovanni Antonio Rigatti, der um 1613 geboren wurde und kaum 35 Jahre alt wurde. Auch seine Musik ist höchst farbenreich, bezieht im "Dixit Dominus" mehrfach die Instrumentalmusik ritornell-artig mit ein und ist an manchen Stellen nicht zuletzt des "Magnificat" noch theatralischer als Monteverdi. In jedem Fall konnte man in diesen Stücken eines 22-Jährigen einen exzellenten Komponisten entdecken, der leider auch auf dem Tonträger-Markt so gut wie nicht existiert.
Klaus Kalchschmid , Januar 2017
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