Ein Lichtlein brennt - Adventskonzert mit Gerd Guglhör und orpheus chor
München - Gleich vier Vertonungen des berühmten "Magnificat" als Eckpunkte eines einziges Konzertes (davon 3 aus dem 20. Jahrhundert): Das beweist nicht nur die Beliebtheit dieses vorweihnachtlichen Lobgesangs Mariens (...) bei Komponisten und Interpreten. Im direkten Vergleich werden auch Unterschiede hörbar, die sonst nicht so deutlich hervortreten. Dabei war es nicht verwunderlich, dass sich das deutsche Magnificat von Heinrich Schütz als Solitär erwies. (...) Es besticht durch seine ebenso ausdrucksvolle wie natürliche, seine klare wie schnörkellose Sprachvertonung. Hinzu kam, dass der orpheus chor unter Gerd Guglhör in der Allerheiligen Hofkirche alle Vorzüge des Werks auf selbstverständliche Weise in helles Licht rückte. Genau das Gegenteil bildete die verspielte, klassizistisch harmlose Version von Vic Nees, mit der das Konzert begann. (...) Ein gewichteres Kaliber war das 1994 entstandene, faszinierend expressive "Magnificat" des 1962 geborenen Wolfram Buchenberg, bei dem sich über das sonore Fundament der psalmodierenden Männerstimmen of frei und teilweise solistisch die leuchtenden Frauenstimmen erheben. Manchmal werden hier Sätze gar von einzelnen Sängern gesprochen, dies alles freilich nicht isoliert, sondern immer großartig dicht verknüpft. Auch die späteste von sechs Magnificat-Vertonungen des Iren Charles Villiers Stanford aus dem Jahr 1918 ist voll von überraschenden und sinnvoll textausdeutenden Wendungen (...). Zwischen diesen vier Stützen (...) sang der orpheus chor mit seiner einem runden Klang so förderlichen Mischung aus jungen und reiferen Stimmen, die Guglhör immer wieder präzise einstudiert, mit feinen Zwischentönen unter anderem Giuseppe Verdis "Ave Maria", Francis Poulencs "Salve Regina" und Trond Kvernos "Ave maris stella".
Süddeutsche Zeitung (Klaus Kalchschmid), November 2013
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