Juli 2018
Die Musik malt Wasserbilder in der Allerheiligen-Hofkirche - Optische und klangliche Höhepunkte
Erst sieht es aus wie ein kreisrunder, stiller Teich, in dessen Mitte sich der Vollmond spiegelt. Von ihm aus treiben kleine Wellen nach aussen, als habe jemand einen Stein auf das Spiegelbild des Mondes geworfen. Es ist aber weder eine Galaxie, noch sind es Lebewesen, die da auf die Leinwand in der Apsis der Allerheiligen-Hofkirche projiziert wurden.
Es ist die Reaktion von Wasser in einer flachen Schale auf die Klangwellen der Musik von Leos Janacek, Sofia Gubaidulina, Eric Whitacre, Peteris Vasks, Wolfram Buchenberg und John Tavener, mit klarer und sicherer Wärme vorgetragen vom Casal Quartett, Julius Berger mit seiner Cello-Klasse und dem Orpheus Chor.
"Waternight" heißt das synästhetische Konzept. Optische und klangliche Höhepunkte schenkte Sofia Gubaidulinas emotionales Werk "Am Rande des Abgrunds" für sieben Celli und zwei Aquaphone.
Süddeutsche Zeitung, April 2008
Höher kann der Anspruch nicht sein - faszinierend
Sofia Gubaidulina als Musikerin auf dem Podium und - wie Anne-Sophie Mutter - im Publikum. Auf der Bühne der Allerheiligen-Hofkirche der Meistercellist Julius Berger mit seiner Cello-Klasse, das Casal-Quartett, der Orpheus Chor München unter Gerd Guglhör. Alle bringen Musik der Moderne im so glücklichen Kontrast mit dem "alten" Orlando di Lasso. Aber das ist es diesmal nicht allein. Der Klangforscher Alexander Lauterwasser setzt die Musik in Beziehung zum Element Wasser. Er bildet, auf eine Leinwand projiziert, die Schwingungen ab, die die Klangwellen auf einer Wasserfläche hervorrufen. Beim ersten Ton erscheint ein blauer Kreis, verändert unter Geige, unter Cello seine Gestalt. Es flimmert, flackert, scheint auch mal aufzuspritzen, die Farbe von Blau in Gold zu wechseln. Es ist ein unaufhörlicher synästhetischer Prozess: "Waternight" (wie ein Stück von Whitacre heißt) - Wasser und Klang im Dialog, ein Konzert der Reihe "Musica sacra - sacra Lux". Das alles ist von der künstlerischen Leiterin Michaela Pods-Aue sehr genau überlegt, auch im Programm-Aufbau strikt durchdacht. Und wenn endlich Sofia Gubaidulinas Stück "Am Rande des Abgrunds" für sieben Celli und zwei Aquaphone dran ist, auch faszinierend. Die Komponistin selber spielt das glockenartige, wassergefüllte, saitenbespannte Instrument, schwingt es herum und erzeugt damit berückende Töne.
TZ, April 2008
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